Die berühmte Ottheinrich-Bibel ist wieder komplett. Zu den drei Bänden dieses im 15. und 16. Jahrhundert in Regensburg geschriebenen Meisterwerks, welche seit 1950 zum Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek gehörten, kamen jetzt die noch fehlenden fünf Bände. Mit dem Kauf der in London versteigerten noch fehlenden Bibelteile durch den Freistaat Bayern wurde ein wichtiges deutschsprachiges Kulturgut gesichert. Bevor die Ottheinrich-Bibel wie die meisten Schätze im Tresor landet, geht sie noch einmal auf Rundreise, nach Berlin (bis 2.11.09 im Deutschen Historischen Museum) und in zwei weitere Städte. Vorher jedoch mussten die Gold- und Farbpigmente der neu dazugekommenen Bände Seite für Seite gesichert werden.
Sie können die Ottheinrich-Bibel bereits als Flash-Animation im Web bewundern unter:
In ihrer Vollständigkeit ist sie ein Kulturdokument von unschätzbarem Wert, ist eines der absoluten Highlights des historischen Bestands der Bayerischen Staatsbibliothek, einer der renommiertesten Bibliotheken Europas. In mehr als 450 Jahren wurden hier an die zehn Millionen Bände zusammengetragen. Jedes Jahr kommen 150000 dazu, und es geht immer auch darum, diese historischen Schätze zu erhalten. Allein 1,5 Millionen Bände aus den Jahren 1840–1970 lösen sich per „Säurefraß” vollständig wegen der säurehaltigen Zusammensetzung damals verwendeter Papiere auf. Die Rettung liegt in der Digitalisierung. Zusammen mit Google sichert die Staatsbibliothek ihre Bestände inzwischen digital. So werden auch Schätze wie die Ottheinrich-Bibel zukünftig der ganzen Welt zugänglich. Unbeirrt davon jedoch empfangen die in Stein gehauenen Gelehrten Homer, Aristoteles, Thukydides und Hippokrates ihre Besucher weiterhin auch in der Staatsbibliothek.

