Erneuerer des Tango

Der Tango ist der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens, meinte der Schriftsteller und Dramatiker George Bernard Shaw. „Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann”, fand wiederum Enrique Santos Discépolo, ein legendärer Tango-Interpret. Für Luis Borda aber ist der Tango „Kultur“ und niemals „eine banale Sache”. Weshalb er ihm wohl sein Leben verschrieb, wie bereits etliche Mitglieder seiner Familie. Die Mutter und zwei Onkel sangen und betrieben eine Folkloregruppe und über Luis Bordas Schwester Lidia hat die Zeitschrift „Rolling Stones” einmal geschrieben, sie sei die beste Tango-Sängerin der Gegenwart. Daher nicht weiter verwunderlich, dass Luis bereits als kleiner Junge immer wieder nach der großen Trommel griff, dem „Bombo”. Auf Wunsch seiner Mutter erlernte er zunächst die klassische Gitarre. Als Jugendlicher aber erlag er der Faszination Jimmy Hendrix’ und gründete die Rock-Band „Ave Rock”.

Bald spielt er im Quintett des Bandeonisten Rodolfo Mederos mit und entdeckt seine Liebe zum Tango. Er studierte am Konservatorium in Buenos Aires Harmonielehre und Komposition und gründete mit 27 Jahren seine erste Band, zunächst in kleiner Trio-Besetzung, die er dann zum Quintett erweiterte. Die damals herrschende Militärdiktatur machte zwar manchen Traum zunichte, sie hielt ihn allerdings nicht davon ab, einen eigenen Stil als Musiker zu entwickeln und mit den Größten des Fachs zu musizieren wie León Gieco, Litto Nebbia und Juan Falú. Heute gilt Borda als Erneuerer des Tangos, als Vertreter des „Tango nuevo”. Mit der Spelunken-Subkultur am Rio de la Plata oder schwülstiger Exotik hat dies nicht mehr viel zu tun.


Borda liebt die Musik anderer Kulturen, sogar bayerische Volksmusik findet er „wunderschön”. Die hat er in seinen Kompositionen allerdings noch nicht beigemengt, dafür finden sich Flamenco und Fado-Anklänge, afrikanische Rhythmen, aber auch Rock und Jazzelemente. Seit vielen Jahren lebt Luis Borda in München. Wenn er nicht auftritt, dann komponiert und arrangiert er, schreibt Soundtracks für Dokumentarfilme wie „Der letzte Applaus”, den er unlängst vorstellte. Er schildert die bewegende Geschichte einer Gruppe alter Tangosänger aus Buenos Aires, ihren Überlebenskampf inmitten der schlimmsten Wirtschaftskrise Argentiniens. Jahrzehntelang waren sie die Stars in der berühmten Tangobar „Bar El Chino”. 2001 kam der Besitzer unter mysteriösen Umständen zu Tode und auch die Bar ging pleite. Luis Borda aber ist für dieses Jahr bereits ausgebucht.

www.luisborda.de