
Der Herr der Pinakotheken
Ein Hamburger für München’ titelten die Gazetten, als Klaus Schrenk im März 2009 sein Amt als Chef der Bayerischen Staatsgemäldesammlung antrat und damit die Verantwortung für ein gewaltiges Imperium übernahm: Über 30 000 Objekte untergebracht in den Sammlungen von sechzehn Haupt- und Filialmuseen, darunter den drei Pinakotheken in München, der Schack-Galerie, der Staatsgalerie Altdeutscher Meister in Augsburg sowie dem Museum Brandhorst. Alles exzellent aufgestellte Häuser.
Wie sein Vorgänger, der seinerzeit die Pinakothek der Moderne einweihte, hatte Schrenk auch das Glück, ein neues Haus einweihen zu dürfen: Im Mai 2009 eröffnete er das Museum Brandhorst, eine fabelhafte Sammlung zeitgenössischer Kunst, das die Bestände der Pinakothek der Moderne um einiges stärkte.
Klaus Schrenks Karriere begann nach seinem Studium in Hamburg, Berlin, Paris und Marburg vor 32 Jahren in Düsseldorf. Sieben Jahre lang, von 1979 bis 1986, leitete er die dortige Kunsthalle, bevor er ans Bonner Kunstmuseum und 1995 schließlich nach Karlsruhe an die Kunsthalle wechselte. Adressen, die nicht gerade in den Charts eines unterhaltungssüchtigen Kunstbetriebs rangieren, für ein Publikum mit Ansprüchen aber begehrte Orte sind.

Er sei sowieso kein Mann für Event-Ausstellungen, betont Schrenk. Den Wandel der Museen zu Wellness-Oasen der Kunst-Community sieht er mit Skepsis, was indes nicht heißt, dass ihm bisher kein Publikums-Blockbuster gelungen wäre. Seine Ausstellung über Matthias Grünewald, die er 2007/2008 zusammen mit dem Musée d’Unterlinden in Colmar veranstaltete, wurde zum Renner schlechthin.

Anders als sein wortgewaltiger Vorgänger Reinhold Baumstark liebt der Hanseat die leisen Töne, tritt etwas hölzern auf und fast schüchtern hinter das Werk und den Künstlern zurück. In Insiderkreisen aber wurde er stets als hervorragender Wissenschaftler und einer der führenden Kunsthistoriker Deutschlands gehandelt und stand schon seit 1999 als Wunschkandidat für München fest. Nun ist er da und ginge es nach ihm, wird man die Säle der drei Münchner Pinakotheken bald virtuell durchstreifen können, denn Schrenk zählt keinesfalls zu jenen eifersüchtigen Kunstbewahrern, die am liebsten ihre Häuser schließen würden, um die Bilder vor gierigen, snobistischen oder voyeuristischen Blicke zu schützen. Ganz im Gegenteil: Schrenk will Wissen über die Werke und ihre Geschichte leichter für ein junges Publikum verfügbar machen. Vielleicht ließen sich dann eines Tages – wie im Prado – die Tränen der Madonna oder die dunklen Locken Dürers aus nächster Nähe am Bildschirm bewundern.

