Harald ante Portas. Franz Lehar verzeihe die Head­line, aber Harald Schmidt und Christian Brey inszenieren an der Deutschen Oper am Rhein die Operette „Die Lustige Witwe“. Dass Dirty Harry, wie Schmidt den meisten wohl seit der Harald Schmidt Show bei Sat.1 im Fernsehen mit diesem Spitznamen bekannt sein dürfte, hier in Düsseldorf an der Inszenierung einer Operette mitwirkt, mag überraschen und verblüffen.

Aber der medienpräsente Moderator, Schriftsteller, Kolumnist, Entertainer, Kabarettist, Schauspieler hat reichlich Bühnenerfahrung. Sein erstes Engagement als Mime hatte er 1981–84 in Augsburg. Aber dann schon wechselte er das Fach, kam nach Düsseldorf ans Kom(m)ödchen zu Kay und Lore Lorentz, lernte und machte Kabarett. Jetzt kam er irgendwie wieder heim, mit Christian Brey, Franz Lehar und der lustigen Witwe. Der humorvolle Zyniker Schmidt verspricht für den Dezember „hinreißende Musik, große Gefühle und einen bankrotten Staat – besser kann man die Zeit zwischen Bundestagswahl und Silvester nicht überbrücken!“

Lehars „Lustige Witwe“ war 1905 die Geburtsstunde der modernen Operette. Der Operettenstaat Pontevedro ist fast bankrott. Sein Gesandter in Frankreich, Zeta, veranstaltet in Paris einen Ball, um auf dem Tanzparkett das Vaterland in seiner finanziellen Not zu retten, eine attraktive Millionärswitwe mit dem pontevedrinischen Grafen Danilo zu verkuppeln. In einem Fest voller Leidenschaften und Begierden der Ballgesellschaft und dem Aufleben fast vergessener Amouren siegt letztendlich Danilos Liebe auch ohne Millionen. Verlierer dürfte Pontevedro sein, Gewinner „Die Lustige Witwe“ und das Publikum.