„MEDICI“ - EIN ANDERES WORT FÜR KUNST
Düsseldorf im Jahre 1691; alles freut sich auf die Ankunft der neuen Gemahlin des Pfalzgrafen Johann Wilhelm: Anna Maria de Medici aus Florenz. Eilig hat der Landesvater, Jan Wellem genannt, eine Straßenreinigungsordnung erlassen, und in Laternen und Pflastersteine investiert, weil ein französischer Gesandter gelästert hatte, man gehe in Düsseldorf „bis über die Knöchel in Koth“.
Doch die junge und schöne Fürstin tut sich schwer in dem düsteren Stadtschloss am Rhein, trotz der »schönen und preziosen« Juwelen, die ihr Gatte ihr als Morgengabe offeriert. Als Prinzessin ist sie aufgewachsen, als Erbin einer mächtigen Tuchhändler- und Gelddynastie, die mehrere Päpste und machtvolle Königinnen stellte. In Florenz hat sie bisher gelebt, dem Macht- und Kulturzentrum Europas, das seinerzeit 90000 Einwohner zählt. 8500 Seelen hat dagegen das provinzielle Düsseldorf, und »nur wenige adlige Häuser … die Räume sind so klein, dass man wie auf einem Hackbrett tanzt«. Räderweise lässt sie sich Parmesan und immer neue Schuhe vom heimatlichen Hofschuster kommen. Die Ehe ist glücklich, bleibt aber nach einer Fehlgeburt kinderlos. Beide entdecken sie andere Gemeinsamkeiten, lieben die Jagd und die Kunst.

Medici, das war und ist noch heute ein anderes Wort für Kunst. Das Adels-geschlecht schenkte Florenz, Italien, der Welt die Uffizien, den Palazzo Pitti und viele anderen Medici-Schätze. Anna Maria hatte diese Gene geerbt. Gut tausend Gemälde tragen sie und Jan Wellem zusammen, Rubens, Rembrandt, Raffael, Jordaens, van Dyck. Sie scheut sich auch nicht, ihre klerikalen Kontakte zu nutzen, wendet sich an ihren Onkel, den Kardinal Francesco Maria de’ Medici, um an den prächtigen Rubens-Altar des Jüngsten Gerichts zu gelangen. Kurz darauf sind die Mönche der Jesuitenkirche das Meisterwerk los. Emissäre des Hauses Medici sorgen dafür, das Werke von Michelangelo und Leonardo da Vinci in den Louvre am Rhein kommen. Andere Künstler kommen samt Atelier, wie der berühmte Brüsseler Bildhauer Gabriel Grupell. Sein bronzenes Reiterbildnis Jan Wellems steht noch heute vor Düsseldorfs Rathaus. Einerseits ist die Fürstin sehr spendabel, stellt allein 80000 Gulden für eine neue Opernbühne aus ihrer Privatschatulle zur Verfügung, andererseits muss sich der Kurfürst rechtfertigen, in Düsseldorf werde zu viel Geld ausgegeben; zu viel für Musik und zu wenig für ernste Staatsgeschäfte, wettert seine Verwandte, die Schwägerin des Sonnenkönigs, Liselotte von der Pfalz.
Mit Jan Wellems Tod 1716 geht die große Zeit Düsseldorfs jäh zu Ende. Die berühmte Galerie löst sich auf, die meisten Bilder gehen an den bayerischen Familienzweig Pfalz-Sulzbach und sind – wie Raffaels Heilige Familie – heute kostbarster Besitz der Alten Pinakothek in München. Anna Maria kehrt nach Italien zurück. Alles was sie vom eigenen Geld gekauft oder von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte, nimmt sie mit nach Florenz. Nur Rubens’ kolossale Himmelfahrt Mariens bleibt am Rhein – Prunkstück des Düsseldorfer Museums bis heute.

