Das Auge Hollywoods

Girl”, „Postcards from the Edge”, einen Horrorfilm mit Francis Coppola „Bram Stoker's Dracula”, einen zeitkritischen mit Robert Redford „Quizshow", einen technisch spektakulären Thriller mit Wolfgang Petersen „Outbreak” und einen nicht minder spektakulären wie „Air Force One”.

Ballhaus’ meistgesehenes Werk dürfte wohl Madonnas Video „Papa Don't Preach" sein, nur wissen wohl wenige, dass er es gedreht hat. Das stört ihn nicht. Hauptsache, er hat Spaß daran gehabt, wie wohl auch in den vier Monaten an der Côte d'Azur, als er einen Film mit Prince ("Under the Cherrymoon") machte. Selbst kommerziellste Studioproduktionen ließ er über die technisch perfekte Konvention hinauswachsen. Sieben Produktionen allein führte er mit Martin Scorsese aus, darunter „Departed", „Good Fellas" und „Zeit der Unschuld“. Schon bei ihrem ersten gemeinsamen Film, „After Hours” von 1985, prägte Scorsese den viel zitierten Satz: „Er lächelt am Set, und er bewegt sich schnell". Wie kaum ein anderer schätzte der penible Martin Scorsese Ballhaus’ akribisch vorbereitete Kameramanöver und ausgetüftelte Lichtakzente, überließ ihm sogar die Entscheidung über die Dimension einer Großaufnahme. „In Amerika ist der Job des Kameramanns ja noch ein bisschen was anderes, da heißt man ‚Director of Photography’, ist also der Bildregisseur“, sagt Ballhaus.

Anna Maria KaufmannAb einem gewissen Zeitpunkt aber lag sie in der Luft: die Rückkehr in die Heimat nach Berlin: „Ich habe fast 100 Filme gemacht, allein 38 davon in 25 Jahren Amerika, ich wurde drei Mal für den Oscar nominiert. Mehr kann man nicht erreichen. Irgendwann muss man auch mal sagen können: Jetzt ist’s genug“. Damals war er 72, freute sich darauf mit seiner Frau „über die Berliner Schnauze zu lachen und in unserem Zehlendorfer Garten zu sitzen.“ Schließlich könnte man nur in Berlin „im Pyjama über den Kudamm gehen, und die Leute würden nicht groß darauf achten“. Heute lebt Michael Ballhaus in Berlin, unterrichtet und filmt und hat seiner Stadt eine filmische Hommage bereitet, die natürlich heißt: „In Berlin". Zudem stellt er seine Kunst in den Dienst des Umweltschutzes. Angeregt von Leonardo DiCaprio, mit dem er befreundet ist, rief er die Umweltstiftung "The future is now" ins Leben und drehte 2009 vier kurze Umweltspots. „Es gibt einen regen Austausch zwischen Leo und mir“. Auch privat ist Michael Ballhaus ein Vorbild. Sein Haus beheizt er mit einer Biogasanlage, auf dem Dach erzeugt er selbst Strom. „Man muss etwas tun. Eines Tages werden auch meine Enkelkinder fragen, was hast du eigentlich gemacht, um unsere Umwelt zu schützen?"

Anne Maria Jagdfeld