Diva wider Willen

„Ich bin einfach eine Schauspielerin, die arbeitet. Fertig, aus!“ So sieht sie sich, so will sie auch gesehen werden. Es ist ihr Beruf und auch ihr Anspruch, die unterschiedlichsten Charaktere darzustellen. Und sie kann es. Ob als sensationeller Shooting Star in Bernd Eichingers Film ‚Das Mädchen Rosemarie’, auf der Bühne als Franziska in Barbara Freys Inszenierung von ‚Minna von Barnhelm’ oder als zombiehafte Helena in ‚Faust II’, ob in ‚Emilia Galotti’ die Gräfin Orsina – personifizierte erotische Tiefgefrorenheit und explodierende Leidenschaft – oder in und als Medea mit expressiven umwerfenden Urgewalten, sie spielt alles mit mehr als 100 Prozent.

 

Ihre Hausbühne ist das Deutsche Theater. In ‚Yella’, nach ‚Toter Mann’ und ‚Wolfsburg’ ihrem dritten Film von Christian Petzold, geht sie eiskalt und irritierend wie ein Todesengel durch die Welt des Venture Capitals und bekommt für ihre ungemein beeindruckende Leistung 2007 den Berlinale-Bären als beste Schauspielerin, und 2008, ebenfalls für ‚Yella’, den Deutschen Filmpreis in Gold als beste Schauspielerin in einer Hauptrolle. So divenmäßig Nina Hoss in manchen Rollen und bei Ehrungen aussehen kann, so bescheiden ist sie in Wirklichkeit. Abgesehen davon, dass sie als wilde Autofahrerin gilt und Öffentlichkeit riskiert, schätzt sie privat das Unerkannt-, das Unbehelligtsein. Als ihr jemand einmal sagte, er hätte noch nie eine Schauspielerin wie sie erlebt, eine Person, die alle kennen, aber keiner erkennt, war das ein Riesenkompliment für sie. Auch geht es ihr immer darum, wie man positiv mit der Gegenwart umgeht. „Nur weil es einem gut geht, sollte man nicht denken, jetzt kommt sicher gleich was Schlechtes.“

1975 in Stuttgart geboren und aufgewachsen, hatte sie von ihren Eltern gelernt, dass man Sachen durchsetzen muss und dabei keine Angst haben soll. Als sie schon auf der Schauspielschule von jenem Bernd Eichinger entdeckt wurde, bei dem sie in ihrer ersten Rolle das Mädchen Rosemarie spielen durfte, wollte sie eigentlich noch Opernsängerin werden. Das 150-Prozent-Geben der Maria Callas hatte es ihr angetan. Schon mit 14 hatte sie Unterricht genommen. Einen Anspruch ihres Vaters, „Ein Mädchen sollte einen Ball fangen können“, verkörpert sie voll und ganz. Sie kann es, und, sie ist bereit, sich nicht wegzuducken. In jeder Rolle wie auch im Leben. Als Sonderbotschafterin des brasilianischen Bundesstaates Para führt sie eine Initiative ihres verstorbenen Vaters weiter. Dort, wo Willi Hoss sein Regenwald-Projekt ‚Poema’ startete, gegen Armut und zum Schutz der Umwelt in Amazonien.