Der Spreeplatz. Der wohl ungewöhnlichste Platz auf Erden. Weniger, dass er Platz ist, als dass er Raum darstellt.

Erdgeschichtlichen Raum, hier ein Fluss, die Spree, die hier zwischen dem Paul-Löbe Haus und dem Marie-Elisabeth-Lüders Gebäude die lineare architektonische Phalanx der Regierungsbauten durchbricht. Die hier schon immer floss, wo sie vor Kurzem noch die Ost-West-Grenze, die Berlin und Deutschland trennte, täglich durchbrach und für sich öffnete. Der Spreeplatz greift diese Symbolik auf, demonstriert jüngste Geschichte von Trennung und Wiedervereinigung. „Der Raum zwischen den Gebäuden macht die Stadt aus“, wie philosophierend sein Planer und Erbauer, der Architekt Stephan Braunfels sagt. Fast provozierend wird die Spree zur unbegehbaren Mitte des Platzes, lädt uns ein zum Platznehmen, Betrachten und Nachdenken auf den sich gegenüberliegenden Steinstufen, besonders der „Spanischen Treppe“, eine Namenskreation für die große Treppe, die Piazzetta. Dieser Benennung durch die fast genetisch kreative Berliner Seele sind hier alle irgendwie nicht der Norm der Gewohnheit entsprechenden Bauwerke ausgesetzt.

Ob es das Kaufhaus Lafayette oder das Haus der Kulturen der Welt oder andere waren. Ersteres wurde zum ‚Stillen Brüter’, zweit genanntes zur ‚Schwangeren Auster’. Jedoch das ist ein Thema für sich. Genau so aber kommt man hier ins Sinnieren, und der spiegelnde Platz, die Spreeoberfläche tut mit ihrer hypnotischen Kraft ein Übriges. Fängt man doch tatsächlich an zu überlegen, ob man hier über Wasser gehen könnte. Zum Glück gibt es aber Brücken, die beide Seiten des Platzes verbinden. Was speziell in Berlin auch wieder symbolisch ist.