
Welcome Sir Simon, jubelten im Jahr 2002 die Berliner auf Plakaten, als Sir Simon Rattle sein Amt als Chef der Berliner Philharmoniker antrat. Die englische Boulevard-Zeitung „The Sun“ feierte ihn gar als „Siegernatur“ und fügte in holpriger Grammatik dazu: „Großbritannien kann auf seine Musiker stolz sein – von ihm bis zu den Spice Girls. Bravo, Simon.“
Das ist nun sieben Jahre her. Doch die Berliner sind so zufrieden mit ihm, dass sie gerade seinen Vertrag verlängerten. Bis 2018 wird Sir Simon an der Spitze des Orchesters bleiben. Eine große Ehre für ihn, schließlich steht er einem äußerst selbstbewussten Orchester vor, das über seinen Chefdirigenten selbst entscheidet.
Rattle gelang nicht nur die Umwandlung des diffus organisierten Ensembles in eine Stiftung, mehr noch, er hat das Image des Traditionsorchesters kolossal verjüngt und neue Publikumsschichten in die Philharmonie gelockt. Als Medien-Darling, der auch schon mal als Rapper mit den zwölf Cellisten auftritt, steht er für eine bis dahin ungekannte Offenheit. Viel Sympathie hat sich Rattle durch seinen Kurs „Musik-für-alle“ erworben, seinen „Educations-Projekten“, die sich besonders den Schulen Berlins widmen. Das „Wunder von Treptow“ nannten die Medien den vielfach preisgekrönten Musikfilm „Rhythm is it“, der ein solches Projekt dokumentiert. Zweihundertfünfzig Kinder aus vier Berliner Schulen, von den kaum einer mit klassischer Musik in Berührung gekommen war, lieferten eine faszinierend bunte Tanzperformance zu den Klängen von Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“. 2007 wurden die Berliner Philharmoniker und ihr künstlerischer Leiter zum Internationalen UNICEF-Botschafter ernannt, als erste Institution überhaupt.
Rattles Plan allerdings, die Philharmonie auch tagsüber zu öffnen und zu einem Ort der Begegnung zu verwandeln, mit Musikgeschäften und Gastronomie, ging wegen bürokratischer Hindernisse nicht ganz auf. Immerhin gibt es jeden Dienstag um 13 Uhr die „Lunchkonzerte“ mit einem Imbiss und ein paar Happen kostenloser Kammermusik dazu.
Über Musik, sagt Rattle, der gerade seinen 3. Grammy erhalten hat, könne man in Worten „gar nichts Vernünftiges“ sagen. Deshalb mache er sie lieber.130 Sinfoniekonzerte und zwei Opern stehen in der Spielzeit 2009/2010 auf dem Programm, das die Musik der Antipoden Brahms und Schönberg zum Schwerpunkt hat. 196000 Besucher hatte das Orchester 2008 – eine Auslastung von 94 Prozent.
Bravo Sir Simon!

