Geliebt und vergessen, wiederentdeckt, begehrt und gerettet. Gerettet für einen silbernen 4-Farbstift vor dem Abtransport in die Sowjetunion. Doch zurück zum Anfang. Es geht um den Schreibtisch Friedrich II., ein ‚Bureau plat’ für sein Schlafzimmer in Sanssouci, das er 1746 in Paris hatte arbeiten lassen. Ein äußerst elegantes Möbel, das er so sehr liebte, dass er mindestens zwei Kopien anfertigen ließ, eine für sein Schlafzimmer im Potsdamer Stadtschloss, eine zweite für sein Breslauer Schloss. Aus Satinholz gearbeitet, auf leicht geschwungenen Rokoko-Beinen stehend, umfließen es feuervergoldete bronzene Palmwedel, Akanthus und Rocaillen.
Nach dem Tode Friedrich II. 1786 wurde der Tisch vergessen. 1826 wird er in einer Inventarliste erwähnt, ein Aquarell aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts zeigt ihn im Toilettenzimmer der preußischen Königin Elisabeth und erst 1926 taucht er wieder auf, als der aus dem Exil zurückgekehrte Kronprinz Wilhelm ihn an einen Juwelenhändler verkaufen ließ. Nach dessen Tod 1929 übernahm Jakob Oppenheimer dessen Firma und das ‚Bureau plat’.
Als 1933 die nationalsozialistische SA das Palais der Oppenheimers stürmte, waren glücklicherweise die Familie samt Schreibtisch schon in Paris. Vom Finanzamt Tiergarten wegen Reichsfluch zu beträchtlichen Zahlungen verurteilt, und um seine in Deutschland gebliebenen Verwandtschaft vor Verfolgung zu schützen, wurde der Schreibtisch 1934 zurückgegeben, denn nicht das Geld, sondern das ‚Bureau plat’ Friedrich II. verlangte man zurück. Nach dem Krieg – zurück zum Anfang dieser Zeilen – rettete ihn der Direktor der Preußischen Schlösser und Gärten gegen den silbernen 4-Farbstift. 2002 beantragte die Erbengemeinschaft Oppenheimer die Restitution. Glücklicherweise konnte man sich einigen und dieses ganz persönliche Stück aus dem Leben Friedrichs des Großen für Sanssouci bewahren.

