Ein Fest für Stimmfetischisten
Die CD-Industrie würde sie so gern als glamouröse Diva aufbauen, doch eigentlich ist Annette Dasch ein ziemlich kumpelhafter und bodenständiger Typ. In „Annettes Daschsalon“, einer Mischung aus Hausmusiknachmittag und witziger Klassikshow im Radialsystem V in Friedrichshain, lädt sie andere Musiker ein. „Neulich haben wir Melodien gegurgelt – mit Met, Wein und Buttermilch.“
Obwohl sie im Abendkleid eine glamouröse Figur abgibt, bevorzugt sie doch eher die Wanderstiefel. Und hört liebend gern Nina Hagen. Geht das für eine Opernsängerin? „Da staunen Sie“, fragt sie überrascht zurück. Und kontert: „Alles was Nina Hagen macht, ist doch klasse, sie hat so ein präzises Gefühl für das Timing, dieses weiche rrrr, das sie noch hinten dransetzt und es dann auskostet … das ist so beispiellos! Das inspiriert mich. Sie hat so viel Energie. Auch Amy Winehouse mag ich sehr gern.“
Musik spielte eine große Rolle in der Kindheit der 33-jährigen Berlinerin. Dennoch habe sie lange gebraucht, sich für den Beruf als Künstlerin zu entscheiden. „Stimmbrüche“ verunsicherten sie über Jahre. „Meine Naturstimme als ganz junges Mädchen war damals sehr dunkel und verhältnismäßig laut, dabei wollte ich immer wie ein Engel klingen, wie Emma Kirkby“. Und so fing sie an, „ganz hell und knabenhaft und ohne Vibrato zu singen“. Ein Schlüsselerlebnis aber brachte sie auf den ursprünglichen Weg zurück. Sie hatte Deborah Polaski in «Götterdämmerung» gehört. „Das war wie eine Offenbarung, wie ein Naturereignis! Ich weinte hemmungslos, ich hatte begriffen, dass ich bereit war, mir dies alles zu erarbeiten und Gesang zu studieren“.
Mit Josef Loibl an der Münchner Musikhochschule fand sie endlich zu ihrer wahren Stimme. Drei wichtige Gesangswettbewerbe und große Engagements an Opernhäusern bestätigten sie darin. Zum absoluten Höhepunkt wurden ihre Auftritte bei den Salzburger Festspielen. „Nach der Premiere von Mozarts Oper in die Lage kommen, der echten künstlerischen Substanz hinterherzulaufen. Dafür muss man Sorge tragen, man darf sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.“

