Das Doppelte Lottchen, ein Kinderroman, eine Verwechslungskomödie des Berliner Schriftstellers Erich Kästner, unterhielt uns mit den frechen Späßen von Zwillingsschwestern. Der Schreiber dieser Zeilen kokettiert mit diesem Vergleich hier vordergründig mit dem doppelten Erlebnis, mit zweifachem Genuss, welchen das Neue Museum auf der Museumsinsel seinen Besuchern bietet.

Wo immer auf der Welt man in ein Museum geht, man ist fokussiert auf die Exponate, nebenbei vielleicht sogar im Äußeren wie Inneren beeindruckt von der Architektur jenes Hauses. Das Berliner Neue Museum jedoch ist der Ausnahmefall, ein Doppelwesen. Nicht nur präsentiert es vordergründig in klassischer Manier die Sammlungen des Ägyptischen Museums, seine Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte mit seiner Antikensammlung, sondern ganz akzentuiert auch sich selbst als historisches, zeitgeschichtliches Dokument der Zerstörung und des Wiederaufbaus.

Mit diesem Meisterwerk einer Renovierung ist dem Architekten David Chipperfield mehr als die Wiederauferstehung des alten Baus von Friedrich August Stüler gelungen. Das Alte, wenn auch nur in perfekt restaurierten Fragmenten, wurde erhalten und bewusst m Kontrast zum Neuen der Chipperfield’schen Architektur gestellt. Diesen Vergleich wahrzunehmen und zu genießen, ist eigentlich ein Museumsgang für sich. In die pharaonische Welt ägyptischer Vergangenheit zu schauen, ist der zweite Trip.