Wenn ein weltbekannter Architekt wie Norman Foster (z. B. Reichstagskuppel Berlin) derart sein Herz ausschüttet, um sein Unverständnis für die Entscheidung der Berliner Politiker in die Öffentlichkeit zu stellen, einer Entscheidung über Sein oder Nichtsein eines einmaligen Kulturdenkmals, gegen Berliner Geschichte, gegen all jene, die begriffen haben, dass hier wieder einmal Berliner Wurzeln ausgerissen werden, sollte man dies – wenigstens in Auszügen – wahrnehmen: „Ich habe Tempelhof einmal als die Mutter aller Flughäfen bezeichnet.

Dazu inspirierte mich die universelle architektonische Kraft eines Bauwerkes, das in meinen Augen zu den bahnbrechenden der Welt zählt. Der Anblick des Raumes, welchen das gewaltige, aller Schwerkraft trotzende Auslegerdach zum Flugfeld hin definiert, ist eine emotionale Erfahrung, wie nur wenige andere ... 75 Jahre nach seiner Errichtung nahezu unglaublich ... seinerzeit wurde es als Bauwerk für die Jahrhundertwende gefeiert.

Unglaublicherweise hat es diese Annahme sogar noch übertroffen ... mein ‚Mutter’-Image von Tempelhof entsprang dem Wow-Faktor der Anlage .... manche sagen, seine Ahnengalerie beginne mit dem niemals gebauten Idealflughafen, welchen Erich Mendelsohn 1914 konzipierte. Prof. Ernst Sagebiel, der Architekt des Flughafens Tempelhof war von 29 bis 32 in seinem Büro angestellt ... Tempelhofs Ausmaß sprengt nicht das Maß, wie es so viele andere Monumente des Faschismus tun. Im Gegenteil, ohne die Verwirklichung der Germaniapläne Albert Speers, fügt sich die Anlage durchaus behutsam in das Berliner Stadtbildgewebe ein ... als die Sowjetbehörden am 20. Juni 1948 den Zugang zu den Westsektoren sperrten, wurde Tempelhof zum Schauplatz der grandiosesten Leistung der Luftfahrtgeschichte.

Die „Luftbrücke“ bestand bis September 1949 aus einem Strom von Flugzeugen, die alle paar Sekunden landeten und starteten. Tempelhof war Berlins Lebensader ... ist ein Kind seiner Zeit, ein Bildnis des Heldentums und der Tragödien des 20. Jahrhunderts ... Seine abschließende Tragik und ultimative Schmach besteht vielleicht eher im Politischen als im Architektonischen .... Tempelhof sollte eine Sache nationalen Gewissens sein, es ist viel zu bedeutend, um auf dem Altar kommerzieller Immobilienentwicklung geopfert zu werden ... Tempelhof ist ein Museum aus eigenem Recht.“